Organe spenden - soll ich oder soll ich nicht?

Organe spenden - soll ich oder soll ich nicht?

Was man wissen muss

Irgendwann sollte sich jeder entscheiden, ob er oder sie Organspender oder Organspenderin sein möchte oder nicht. Weil es bei dieser Entscheidung durchaus hilfreich ist, gut informiert zu sein, beantworten wir euch folgende Fragen, die man sich vielleicht stellen sollte. Dadurch hoffen wir, dass wir euch die Unsicherheit vor der Organspende nehmen können. Jede Entscheidung hat seinen Grund und sollte deshalb in jedem Fall geschätzt werden.

Was ist eine Organspende?

Bei einer Organspende erklärt man sich bereit, nach dem Tod - oder je nachdem, was gespendet wird auch schon zur Lebzeiten - Organe an Menschen abzugeben, dessen eigene zu versagen drohen. Diese Organe werden dann in einer Operation von Ärztinnen und Ärzten von einem Körper in den anderen transplantiert.

Wer ist auf eine Organspende angewiesen?

Menschen, deren Organe nicht mehr ausreichend funktionieren und bei denen aus unterschiedlichen Gründen ein Organversagen droht, sind auf Organspenden angewiesen, da eine Transplantation meist die letzte Behandlungsmöglichkeit ist.

Wie wird der passende Empfänger ermittelt?

In Europa nutzt "Eurotransplant" (Vermittlungsstelle für postmortal gespendete Organe) ein Computersystem, um die Daten des Spenders mit denen aller möglichen Empfängern auf der Warteliste für das jeweilige Organ abzugleichen und durch Berücksichtigung von Kriterien wie Dringlichkeit, Übereinstimmung medizinischer Merkmale und Erfolgsaussichten den geeignetsten Empfänger zu ermitteln.

Wie ist die Organspende in anderen Ländern in Europa geregelt?

Während in Deutschland die Entscheidungslösung gilt, haben andere Länder unterschiedliche gesetzliche Regelungen der Organ- und Gewebespende:

(erweiterte) Zustimmungslösung: Hier gilt, dass Organe und Gewebe nur mit Zustimmung der verstorbenen Person entnommen werden dürfen. Falls keine Zustimmung vorliegt, wird die Entnahme nicht ausgeführt.
Beispielländer sind Europa: Georgien, Griechenland, Litauen

Entscheidungslösung: Auch hier werden Organe nur mit Zustimmung entnommen. Nahe Angehörige dürfen stellvertretend entscheiden. Zusätzlich sollen Bürgerinnen und Bürger regelmäßig mit neutralen und ergebnisoffenen Informationen versorgt werden, um eine sichere Entscheidung treffen zu können.
Beispielländer sind Europa: Deutschland

Widerspruchslösung: Organe können entnommen werden, falls die verstorbene Person zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. In einigen Ländern können Angehörige einer Organentnahme widersprechen, sollte keine Entscheidung der verstorbenen Person vorliegen.
Beispielländer in Europa sind: Belgien, Estland, Frankreich

Mischsystem: Individuelle Kombination aus der Zustimmungslösung und der Widerspruchslösung.
Beispielländer sind Europa: Slowenien, Schweden, Italien

Was passiert nach einer Organspende mit dem Leichnam?  

Ärzteinnen und Ärzte verschließen nach der Organentnahme alle operativen Einschnitte, wie nach jeder anderen OP. Die Angehörigen erhalten anschließend den Leichnam in einem würdigen Zustand, um ihn wie gewünscht beizusetzen und sich zu verabschieden.

Was muss ich machen, um Organspender zu werden?

Mit 14 Jahren kannst du allein erstmal nur widersprechen, ein Organspender zu werden. Später, mit 16, darf man selbst frei wählen, ob man Organspender werden möchte oder nicht. Davor entscheiden deine Eltern darüber. Egal, wie man sich entscheidet, man sollte seinen Beschluss festhalten. Dies tut man für gewöhnlich in einem Organspendeausweis.

Woher bekomme ich einen Organspendeausweis?

In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten, sich einen Organspendeausweis zu beschaffen, in der Regel kostenlos. Hier drei Beispiele

  • Online bestellen

Auf der offiziellen Website der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) kann man sich einen Ausweis kostenlos zuschicken lassen.

  • Medizinische Einrichtungen

Viele Apotheken, Hausarztpraxen und Krankenkassen legen Organspendeausweise kostenlos aus.

  • Digitales Organspende-Register

Dort kann man seine Entscheidung digital festhalten, braucht dazu aber einen Online-Ausweis:

Welche Organe können gespendet werden?

Von Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm hat jeder nur ein Stück. Diese Organe lassen sich daher erst postmortal - also nach dem Tod - spenden. Nieren dagegen sind zweimal vorhanden. Man kann eine davon auch schon früher spenden, da eine zum Leben ausreichen sollte. Wichtig zu erwähnen ist aber dennoch, dass sich dadurch auch bestimmte gesundheitliche Risiken leicht erhöhen.

Welche Organe können lebend gespendet werden und wer spendet wem normalerweise?

Die Lebendspende kann nur durch Spenden von Teilen der Leber oder der zweiten Niere stattfinden, wenn diese dem Spender entnommen und dem Empfänger zum Zweck der Lebensverlängerung verpflanzt werden. Die Niere wird jedoch oftmals nur gespendet, wenn ein Familienmitglied des Spendenbedürftigen dazu bereit wäre, seine Niere zu spenden.

Dazu kommen zuerst Geschwister infrage. Falls keine vorhanden sind oder die Geschwister aus eigenen gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage wären, würden dann die Eltern in Erwägung gezogen werden. Warum? Weil die genetische Veranlagung der Familienmitglieder ähnlich ist und so eher die Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Körper des Organempfängers das jeweilige Organ nicht abstößt. Ein anderer Grund ist hierbei, dass das Organ nicht allzu lange auf die Spende vorbereitet werden müsste und es keinen langen Reiseweg gäbe, weshalb die Entscheidung schnell getroffen werden kann.

Wie streng ist die Kompatibilität der Organe?

Ihr könnt aber wegen der Kompatibilität des Organs mit dem Körper beruhigt sein. Es gibt eine bestimmte Liste an Dingen, die an dem Organ geprüft werden müssen, weshalb die Prozentzahl der Risiken für ein Abstoßen des Organs oder spätere Schäden anderer Organe durch das neue Organ nur auf eine einstellige Zahl zurückfällt. Falls ebenfalls bemerkbar ist, dass das Immunsystem das Transplantat als fremd erkennt und es bekämpft, kann man mit Medikamenten die Abstoßung reduzieren und damit zum Erfolg einer Transplantation beitragen.

Welche Zahlen zur Organspende gibt es aus 2025?

Letztes Jahr wurden in den 43 deutschen Transplantationszentren insgesamt 3.256 Organe postmortal gespendet. Dabei waren es 985 Spender und insgesamt 32 mehr als 2024. Ende des Jahres 2025 stehen jedoch trotzdem 8.199 Menschen auf der Warteliste.

Was ist eine Warteliste?

Die Warteliste ist – wie der Name schon sagt – eine Liste, auf der organspendebedürftige Patienten auf ein Organ warten. Die Menschen auf der Liste werden nach medizinischer Dringlichkeit und Überlebenschance sortiert. Wem es also am nötigsten wäre, ein Organ zu erhalten, der steht in der Liste weiter oben.

Wie läuft eine Organspende medizinisch ab?

Postmortale Spende (nach dem Tod):

1.  Feststellung des Todes nach strengen Kriterien.
 
2.  Künstliche Aufrechterhaltung des Herz-Kreislauf-Systems.
 
3.  Meldung des Spenders an die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation).
 
4.  Gegebenenfalls Angehörigengespräch, um nach Zustimmung oder Widerspruch zu fragen, falls diese vom Patienten nicht selbst festgehalten wurden.
 
5.  Medizinische Untersuchung des Verstorbenen und der Gesundheit seiner Organe.
 
6.  Empfängersuche & Organübermittlung durch Eurotransplant.
 
7.  Organentnahme unter den üblichen Bedingungen einer Operation.
 
8.  Möglichst schneller Transport der Organe ins Transplantationszentrum.
 
9.  Transplantation.
 
10. Stationärer Aufenthalt nach der OP.
 
11.  Regelmäßige medizinische Nachuntersuchungen.
 
 
Lebendspende:
 

1.  Medizinische Voruntersuchungen: Sind Spender und Empfänger geeignet?

2.  Gespräche, um einen Zwang zur Spende oder mögliche Motive dahinter auszuschließen.

3.  Psychologische Einzelgespräche: Sind einem die Auswirkungen bewusst?

4.  Einschätzung der Lebendspendenkommission des Krankenhauses.

5.  Transplantation.

6.  Stationärer Aufenthalt nach der OP.

7.  Regelmäßige medizinische Nachuntersuchungen.

Was sind Zusprüche und Bedenken zur Organspende?

Argumente pro Organspende

Durch eine Organspende kann jemandem eine neue Chance auf Leben gegeben werden. Die Organspende betrifft jeden von uns – obwohl viele Menschen kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatten, da es auf den ersten Blick kompliziert oder unangenehm erscheint. Jedoch sollte es das nicht sein, da die Spende ein Akt der Menschlichkeit ist, der viel Dankbarkeit einfordert. Darum hier ein paar Gründe, die für eine Organspende sprechen:

- Leben retten: Je mehr Organe zur Verfügung stehen, desto mehr Leben können gerettet werden.

- Ein Organspender, viele Empfänger: Pro verstorbenem Organspender können bis zu sieben Organe verteilt werden.

- Dem Tod einen weiteren Sinn geben: Die Weitergabe von Organen kann dem Tod noch einen weiteren Sinn verleihen. Viele empfinden Sterben als traurig und sinnlos, doch den Tod umgehen geht nicht. Aber wenigstens kann man dadurch anderen Menschen in Notlagen helfen, wenn man sich dazu entscheidet zu spenden.

- Gegen illegalen Organhandel: Je mehr legale Organe zur Verfügung stehen, desto weniger müssen verzweifelte Personen auf den illegalen Handel zurückgreifen.

- Umentscheiden als potenziellen Spender möglich: Auch wer sich im Organspendeausweis als spendenbereit erklärt, kann sich jederzeit wieder dagegen entscheiden und dies ändern lassen.

Argumente contra Organspende

Beim Gedanken an eine Organspende kommen bei vielen Menschen Unsicherheiten auf. Hier einige davon und warum man sich darum keine zu großen Sorgen machen muss:

-  Religiöse Gründe: Im Judentum beispielsweise wird der Hirntod nicht als das Ende des Lebens angesehen, daher wünschen sich viele keine Organentnahme, was völlig okay ist. Dagegen wird die Organspende in beiden großen christlichen Kirchen und vom Zentralrat der Muslime hierzulande sogar als Akt der Solidarität und Nächstenliebe angesehen.

-  Angst vor vorschneller Hirntoddiagnose: Diese Bedenken halten viele Menschen vom Ausfüllen eines Organspendeausweises ab. Hierfür gibt es eine medizinische Feststellungsmaßnahme, um sicherzugehen, dass ein Mensch wirklich gestorben ist. Diese Maßnahme nennt sich Hirntoddiagnostik. Das ist ein sehr aufwendiger Vorgang, bei dem viele verschiedene Regeln beachtet werden müssen. Später mehr dazu.

- Angst vor Kontrollverlust über seine vor dem Tod gefällte Entscheidung: Der weltbekannte Eid des Hippokrates, den Ärzte ablegen, um den Patienten zu versprechen, ihnen nicht zu schaden und ihre Schweigepflicht einzuhalten, besagt beispielsweise Folgendes:

"Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht."
(Quelle: Eid des Hippokrates – Wikipedia)

Kurz: Hier schwören Ärzte, ihre Patienten niemals Entscheidungen treffen zu lassen, die nicht im Interesse des Patienten sind. Dabei soll der Arzt alles vermeiden, das dem Patienten schadet oder ihm Unrecht tut.

-  Unsicherheit, ob man ein geeigneter Spender ist: Einige Menschen denken, sie seien ungeeignet wegen ihres Alters ihrer Vorerkrankungen oder weil sie rauchen. Deswegen ist es gut zu wissen: 

1.  Es gibt kein Höchstalter, nur ein Mindestalter. 

2.  Auch Raucher können Organe spenden, wenn sie wollen. Es muss aber durch eine Autopsie (medizinische Untersuchung des Leichnams nach dem Tod) sichergestellt werden, dass die Funktion der Organe nicht eingeschränkt ist.

3.  Tatsächlich schließen nur wenige Erkrankungen eine Organspende aus (z. B. AIDS, Tuberkulose oder eine aktive Krebserkrankung). Menschen mit Vorerkrankungen sind also nicht automatisch als Spender oder Spenderin ungeeignet bzw. ausgeschlossen.

Quellen

Falls dich das Thema interessiert, sind hier einige weitere unserer Quellen zum Weiterlesen: 

Text, Bilder & Online-Version: Marleen Günther (10Gb) und Victoria Maier (10Gb)