Aueschule verabschiedet Ingrid Arnold-Berndt

Aueschule verabschiedet Ingrid Arnold-Berndt

"Langeweile kenn‘ ich nicht“

Sie ist eine Institution an unserer Aueschule, an der sie 39 Jahre lang die Fächer Deutsch und Englisch unterrichtete: Ingrid Arnold-Berndt geht im Sommer in den Ruhestand. Die Oberstudienrätin, die im Ortsteil Altheim zuhause ist, prägte die Entwicklung unserer Kooperativen Gesamtschule entscheidend mit. Unvergessen sind bei vielen Schülerinnen und Schülern die Auslandsfahrten nach England, in die USA, nach China und nach Irland, die sie maßgeblich organisierte. Als Fachsprecherin leitete sie zudem viele Jahre lang die Englisch-Fachkonferenzen.

Erinnert sich Frau Arnold-Berndt an ihre eigene Schulzeit zurück, so reist sie gedanklich ins Jahr 1961 zurück, als sie „mit großer Schultüte, Faltenrock und Kurzhaarschnitt“ ihrer ersten Klassenlehrerin mit dem schönen Namen Sonnenschein gegenüberstand. „Natürlich wollte ich einmal so werden wie sie“, erinnert sich die gebürtige Darmstädterin. „In der vierten Klasse war dann August Langner  im dunklen Anzug mit Kriegsverletzung am Bein mein Klassenlehrer, der mich besonders in Mathe anspornte und sehr viel Disziplin erwartete.“ Wollte das junge Mädchen Ingrid  noch Grundschullehrerin werden, so änderte sich am Gymnasium dieser Wunsch: „Jetzt wollte ich so fair und so kompetent werden wie meine Englischlehrerin: Frau Dr. Paterna an der Darmstädter Georg-Büchner-Schule war wirklich ein Vorbild für mich. Es gab nur wenige Lehrer, deren Art mit Schülern umzugehen mich dazu brachte, es mal anders machen zu wollen und Jugendliche in ihrer Art zu fördern und nicht zu demütigen.“

Große Liebe Darmstadt

Ingrid Arnold-Berndts Eltern ermöglichten ihrer Tochter  einen Aupair-Aufenthalt in London, wo sie fast jeden zweiten Abend ins Theater ging: „Fringe und Off-Fringe Veranstaltungen auf Kleinkunstbühnen waren das Größte für mich und so habe ich innerhalb des Deutsch-und Englischstudiums in Gießen auch eine Magisterprüfung in Theaterwissenschaften abgelegt.“ Nach dem Referendariat, das sie immer als sehr zeitaufwändig empfand, weil das Lehrerdasein neben Familie den Alltag vollkommen ausfüllte, hatte Ingrid Arnold-Berndt auch an der Lichtenbergschule in Darmstadt sehr fähige Ausbilder, die ihre Persönlichkeit wenig einschränkten. Außerdem lernte sie dort auch die Liebe ihres Lebens, den Diplomsportlehrer Hartmut Berndt, kennen. „Sicher war es von Vorteil, dass mein Mann und ich unterschiedliche Fächer hatten“, denkt sie zurück.

Ingrid Arnold-Berndt liebt ihre Heimat Darmstadt, die sie ihren Gästen aus Nah und Fern immer sehr gerne zeigt.
Ingrid Arnold-Berndt liebt ihre Heimat Darmstadt

Nach dem Referendariat kauften die Oberstudienrätin und ihr Mann ihr Haus in Altheim. Die frisch gebackene Lehrerin bewarb sich um eine Stelle an der Dieburger Goetheschule, die sie auch bekam - doch wurde sie zu ihrer Überraschung mit allen Stunden nach Münster und an die Förderstufe nach Eppertshausen abgeordnet. „Als ich dieses Verfahren kritisierte, wurde ich nach Münster versetzt, was ich nie bereut habe, denn ich konnte hier viele meiner Ideen umsetzen.“ Ingrid Arnold-Berndt zog gemeinsam mit ihrem Mann zwei Töchter aus dessen erster Ehe auf, aber bald ergänzten ein Sohn und eine Tochter neben dem Foxterrier Paddy das Familienglück. Spricht sie über ihren Mann, gerät sie ins Schwärmen: „Er widmete sich außer seiner Familie und seinen Hobbies, dem Gitarre spielen und der Mineralogie, auch rührend um die vielen Austauschkollegen aus dem englischen Sprachraum.“ In den ersten Schüleraustauschjahren wohnten die Begleitlehrer bei den deutschen Kollegen und umgekehrt. Da gab es viele musikalische Begegnungen auf der heimischen Terrasse in Altheim. Auch führten manche unvergessliche Wochenendtrips mit den sehr interessierten Kollegen bis nach Dresden und Weimar oder ins Elsass.

Denkt sie an ihre ersten „Schritte“ als Lehrerin, so erinnert sie sich an ihre erste Stunde im Leichtathletikverein, wo sie die eigentliche Trainerin vertreten musste: „Nach einer absolut chaotischen Stunde hatte ich das nächste Mal ein Plänchen und für alle Fälle eine Trillerpfeife dabei und dieses Mal machte auch mir die Sportstunde Spaß.“ Am Lehrerberuf machte ihr insbesondere „die Interaktion und das gemeinsame Herangehen mit Fragestellungen und Aufgaben“ großen Spaß. Weniger gefallen haben ihr die vielen Korrekturen von Klassenarbeiten: Für ihre Hauptfächer Deutsch und Englisch seien die Schülerarbeiten oft äußerst umfassend ausgefallen, da sei die Korrektur oft sehr zermürbend gewesen. „Zeitdruck und viel Bürokratie waren ebenfalls Spielverderber“, beklagt sie.

Fragt man Frau Arnold-Berndt nach Momenten an der Aueschule, die sie niemals vergessen wird, so sagt sie unumwunden: „Das waren zu viele, um sie hier alle aufzuzählen“. Doch eine Erfahrung habe sich ihr besonders eingeprägt: „Wie chinesische und deutsche Schülerinnen und Schüler miteinander auf dem Schulhof in China tanzten und wie sie vorher gemeinsam kochten: Das war gelebtes Miteinander und Verständigung.“ Die Altheimerin hat noch immer Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen der Partnerschulen, „auch wenn einige von ihnen schon längst im Ruhestand sind.“
Auf die Frage, ob es früher einfacher gewesen sei, Lehrerin zu sein, gibt sie eine klare Antwort: „Unsinn, auch früher gab es Herausforderungen.“ Gewandelt habe sich aber die Einstellung der Menschen gegenüber dem Lehrerberuf: „Die Gesellschaft zeigte früher mehr gegenseitigen Respekt“, räumt sie ein. Fragt man sie nach drei zentralen Ratschlägen an junge Lehrerinnen und Lehrer, so sagt sie „Interesse an Menschen und Inhalten, Gelassenheit und Ruhe sowie Offenheit“. Denkt die Englischlehrerin an ihren Ruhestand, so werde ihr „der Plausch im Lehrerzimmer“ am meisten fehlen.

Trotz Ruhestand wird Frau Arnold-Berndt dennoch der Aueschule verbunden bleiben: Ihr einjähriger Enkel sei gerade nach Münster gezogen: „Wenn er an die Aue kommt, sind sicher alle Bauarbeiten fertig“. Zudem wird sie ihre Tochter Alex auf dem Laufenden halten, die an der Aueschule ebenfalls Englisch sowie Mathematik unterrichtet. Ansonsten ist ihr an dem Gedanken an die Zukunft nicht bange: „Langeweile kenne ich nicht. Vielleicht gelingt es mir endlich, ein paar Dinge, die ich begonnen habe, fertigzustellen.“

Text: Axel Preiss | Bild: Ingrid Arnold-Berndt

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