Schule auf der Aue > Startseite > Ein Smartphone ist wie ein Lichtschwert

Risiken und Chancen der neuen Medien

Geht es nach dem Philosophen und Medienkritiker Paul Virilio, dann steuert unsere hoch technologisierte Menschheit derzeit gerade auf ihren eigenen Untergang zu: Der Wunsch, dank moderner Kommunikationsmedien wie Smartphones & Co. überall und jederzeit dabei oder erreichbar zu sein, bezeichnete der kürzlich verstorbene Franzose als einen „rasenden Stillstand“, der unser aller Fortbestand bedrohe. 

Negative Auswirkung der Medien

Ganz so schwarz sah Peter Holnick, Geschäftsführer des „Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V.“, unsere Zukunft nicht, als er am Donnerstag (24. Januar) für knapp zwei Stunden im Kleinen Saal der „Gersprenzhalle“ zu geschätzten 80 Eltern sprach. Er verdeutlichte jedoch die negative Auswirkungen der Medien insbesondere auf die junge Generation und gab den Eltern Tipps, wie sie darauf reagieren könnten.

Kontakt mit den Kindern

 „Sprechen Sie mit Ihren Kindern!“, appellierte er an die Anwesenden. Die Schule könne hier nicht weiterhelfen, denn beim Umgang mit dem Internet, bei der Kommunikation mit anderen Menschen, seien „Werte“ das Wichtigste. Und die könnten die Kinder nur bei ihren Eltern lernen. Oder auch mit Hilfe des Fernsehens, im positiven wie im negativen Sinne. Mittels Porträt-Einblendungen von TV-Moderatoren der 1970er- und 1980er-Jahre verdeutlichte der Mittfünfziger Holnick, selbst Vater einer siebenjährigen Tochter, wer ihm einst medial Umgangsformen beibrachte und wie sich die Zeiten seither gewandelt hätten. 

Mobbing im Fernsehen

Hans Rosenthal und seine Kollegen hätten damals Verlierer von Spiel-Shows einfühlsam getröstet. Sie hätten Empathie vorgelebt. Mit einem Verweis auf die TV-Vorbilder der heutigen Generation, sprich Dieter Bohlen oder Heidi Klum, zeichne sich schon seit Jahren der Trend ab, unterlegene Kandidaten „zu mobben“ und schlechtzumachen. Casting- oder „Dschungelshows“ seien alle weit im Voraus mit Drehbüchern exakt vorgeplant, das Gezeigte inszeniert, nichts sei echt: „Darüber müssen Sie mit ihren Kindern reden!“, forderte der Medienpädagoge die Eltern auf. 

Geschichten zum Nachdenken

Zu einer Fragerunde kam es gegen Ende der Veranstaltung nicht mehr, da dem Referenten immer wieder neue „gruselige“ Geschichten aus der Medienwelt einfielen, so zum Beispiel die Algorithmen von „Amazon“: In den USA sei es vorgekommen, dass Eltern einer schwangeren Tochter von deren Schwangerschaft erfuhren, als ein unbestelltes Päckchen mit Baby-Artikeln angekommen sei: „Die Tochter hatte es nicht bestellt, aber nach solchen online gesucht. Amazon verschickt auch ungefragt Pakete“.  Auch wenn Holnick immer wieder einschob, dass die „Neuen Medien“ uns ebenso Gutes brächten, war sein pessimistischer Unterton unüberhörbar: Die mediale, technisierte Zukunft verlange viel von uns. Und insbesondere Eltern seien hier gefragt, sich mit ihren Kindern über diese Zeiten intensiv und regelmäßig auszutauschen.

 

Text und Bild: Axel Preiss; Online-Version: Batuhan, Marlon (10GB)

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