Schule auf der Aue > Startseite > Aueschüler pflegen Briefkontakte zu kubanischen Kindern

Der Briefträger von El Mallorquin

Mindestens einmal im Jahr reist der Eppertshäuser Achim Bender nach Kuba. Der Sozialpädagoge macht dort nicht etwa nur Urlaub, sondern ist zudem als „interkultureller Botschafter“ unterwegs: In seinem Reisegepäck stecken viele Briefe von Gymnasiasten der Münsterer „Schule auf der Aue“. Die Schriftstücke wurden zuvor im Spanisch-Unterricht an kubanische Schüler aus dem Dorf El Mallorquin in der Provinz Artemisa Cuba, 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Havanna, verfasst. Und dort bringt Herr Bender die Post persönlich hin.

Nutzen des Briefkontakts

Gepflegt wird dieser Briefkontakt mit Schülern von der Karibikinsel bereits seit vier Jahren. Ideengeber Bender nahm damals mit den Spanisch-Lehrerinnen Sibylle Hoey und Dr. Angelika Krüger Kontakt auf, und die freuten sich sofort über dieses tolle Projekt: „Für unsere Schüler ist es sehr wichtig, ihre Spanisch-Kenntnisse in dieser handschriftlichen Form auszubauen. Zudem lernen sie gleichzeitig, wie man auf Kuba lebt“, betont Lehrerin Hoey.

Achim Bender knüpft Kontakte

Achim Bender kennt die kubanische Kultur sehr gut. Er selbst spricht fließend Spanisch, liebt die kubanische Lebensart, die Musik und Natur.In El Mallorquin kennt er jeden. Seit 15 Jahren ist der Eppertshäuser mit einer Kubanerin verheiratet. Deren Schwester, die Wilnara Medina Toirac heißt, arbeitet als Lehrerin an der Schule „Antero Enrique Càrdenas“ und unterrichtet dort sieben Mädchen und sieben Jungen im Alter von im Schnitt elf Jahren. „Die kubanischen Schüler wollen alles über Deutschland wissen, sie sind sehr neugierig“, erzählt Bender. Und so tauschen sich kubanische und deutsche Schüler über ihren jeweiligen Alltag aus, schreiben von ihrem Land und geben dem jeweils anderen so interessante Einblicke in die eigene Kultur. „Dass die Schüler sich dabei in Briefform austauschen, ist sehr wichtig: Das Internet ist auf Kuba mit einem Euro pro Stunde sehr teuer, daher ist das mit dem E-Mails-Schreiben nicht so leicht“, erklärt Bender.

Verbundenheit zwischen Deutschland und Kuba

Schade sei, dass die Briefkontakte nur auf zwei bis drei Briefwechsel begrenzt seien: „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn sich die Brieffreunde eines Tages auch mal treffen würden. Aber wenn die Aueschüler auf die Oberstufe wechseln, dann gehen die Kontakte leider auch auseinander“, bedauert er. Dennoch müsse man froh sein, dass es überhaupt einen solchen Kontakt gebe: „Zwei- bis dreimal Hin- und Herschreiben ist besser als keinmal“.

Kubas Geschichte

Auf Kuba weiß man viel über Deutschland, was mit der ehemaligen DDR zusammenhängt: Die beiden Länder waren eng befreundet, als der Osten Deutschlands noch sozialistisch war. Inzwischen hat sich der Inselstaat westlichen Touristen geöffnet, dennoch ist die Bevölkerung recht isoliert. Reisefreiheit nach westlicher Prägung existiert auf Kuba nicht, außerdem wären Reisen auch viel zu teuer. Daher sei es insbesondere für die jungen Kubaner wichtig, über Kontakte mit Jugendlichen aus Europa ihren Horizont zu erweitern. „Dies zu organisieren, betrachte ich als eine Aufgabe, die mich sehr glücklich macht“, freut sich Bender.

Freude über die Briefe

Von den Aueschülern wird das Projekt gerne angenommen: Achim Bender hat stets bis zu acht Kuverts im Gepäck. „Die Kinder von El Mallorquin freuen sich immer sehr, wenn sie die Briefe erhalten“, erzählt der besondere „Postbote“ mit interkulturellem Auftrag. Kurz vor Weihnachten wird er wieder nach Kuba fliegen und hat dann ganz besondere Geschenke in seinem Gepäck: neue Briefe aus Münster an die Kinder von El Mallorquin.

Möglichkeiten zum Spanisch sprechen

Achim Bender weist übrigens darauf hin, dass sich für Spanisch sprechende Münsterer und Altheimer immer freitags zwischen 18 und 20 Uhr die Möglichkeit bietet, miteinander Spanisch zu sprechen. Interessierte treffen sich hierfür regelmäßig im Altheimer „Art-Haus“

Text/Bilder: Axel Preiss; Online-Version: Emilian Schauk (10Ra) & Lars Koch (10Rc)

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