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Mit dem 7er- und 9er-Eisen auf Löcherjagd

Groß-Zimmerns „Golf Sport Park“ am Donnerstag, 28. September: Es ist ein Bilderbuch-Wetterchen. Am Himmel zeigen sich nur wenige Wölkchen, die Spätsommersonne wärmt die Luft auf 22 Grad. Nele schwingt ihren Golfschläger – nach drei Schlägen liegt der weiße Ball im Loch. Nele ist neun, und heute nimmt sie wieder an der Golf-AG der Münsterer „Schule auf der Aue“ teil. Insgesamt 15 Schüler – darunter 4 Mädchen und 11 Jungen – sind die Teilnehmer an dieser kostenfreien AG. Nele ist mit neun Jahren die Jüngste, die Siebtklässler Luis und Johannes die beiden „Oldies“. Jeden Donnerstag fahren die Münsterer mit dem Bus zum „Green“ nach Groß-Zimmern. „Hier trainieren wir dann 90 Minuten, bevor uns der Bus wieder abholt“, erzählt Mathe- und Religionslehrerin Vera Reitzel, die die Schüler allwöchentlich begleitet.

Putten und los!

Am „Golf Sport Park“ angekommen, erhält jeder junge Golfer zunächst zwei Schläger ausgehändigt: ein 9er- und ein 7er-Eisen, die der Zimmerner Golfclub 1995 den AG-Teilnehmern kostenlos zur Verfügung stellt. Danach geht es zunächst zum Aufwärmen zur „Driving Range“. Dort sammeln die Schüler Bälle ein, die von anderen Golfern ins Weite geschlagen wurden. „Heute ist zudem Putten angesagt“, erklärt Vera Reitzel. Die leidenschaftliche Golferin, „Captain“ des Damenteams und Vize-Clubmeisterin der Damen, leitet seit drei Jahren die Golf-AG. Dabei wird sie unterstützt vom Engländer Warren Bell: Der 44-Jährige war Hessischer Profimeister 2014 und ist ausgebildeter Golflehrer. „Wegen des Golfsports kam ich vor 17 Jahren nach Groß-Zimmern“, erzählt der Sohn eines Profifußballers. Warren spricht mittlerweile sehr gut Deutsch. Dennoch bietet sein Unterricht neben den richtigen Golf-Tipps eine weitere Möglichkeit des Lernens: Die Schüler können mit ihm auch Englisch sprechen.

Ein Jahr kostenfrei Golf ist hier das Angebot

Warren leitet die Schüler an, gibt Tipps, gestaltet „Parcours“. So legt er zwei Stäbe parallel zueinander: Sie bilden einen Korridor zwischen Golfer und dem „Hole“, also dem Loch: „Spiele den Ball sachte zwischen den Stäben durch, dann rollt er genau auf’s Loch zu“, erklärt Warren den Kindern. Die nehmen die Tipps gerne an. So auch der zehnjährige Miraς: „Was ich am Putten so liebe, ist die Konzentration! Zudem muss man sehr gefühlvoll den Ball anstoßen, und das macht mir großen Spaß“, schwärmt der Junge mit türkischen Wurzeln. Bald will er mit seinen Eltern den Golfplatz besuchen. Die dürfen nämlich mit ihren Kindern den angrenzenden Neun-Loch-Golfplatz bespielen. Für Teilnehmer der AG ist die Benutzung dieses „Kurzplatzes“ ein Jahr lang kostenlos – auch am Wochenende. „Finanziert wird dieses Angebot vom Deutschen Golfverband“, sagt Frau Reitzel. Auch für die Trainerstunden und die Busfahrt müssen die AG-Teilnehmer nichts bezahlen.

Kleine Nachwuchstalente

Mischa Kind, der Manager des Zimmerner Golfclubs und des Golfparks, freut sich über die gelungene Kooperation mit der Münsterer „Aueschule“, die seit mittlerweile 17 Jahren besteht. Sie ist die einzige Schule, mit der die Zimmerner Golfer zusammenarbeiten. Kind bekennt, dass die Generierung von Nachwuchs für seinen Golfclub immer schwieriger sei. „Für die jungen Leute gibt es heute ein stetig wachsendes Angebot an Möglichkeiten der Freizeitgestaltung“, weiß der Manager. Dass der Golfsport nur etwas für gut Betuchte wäre, sei ein Klischee: „Jugendliche bis 18 Jahre zahlen 200 Euro Jahresbeitrag und können dann golfen, wann sie wollen. Gemessen an anderen Hobbys ist das nicht viel Geld“, meint Kind.

Golf ist ihre Leidenschaft

Schön wäre es, wenn so mancher AG-Teilnehmer nach dem Kurs dem Zimmerner Golfclub treu bliebe. Dort freut man sich über die erfolgreiche Trainingsarbeit: Das Herrenteam ist in die Zweite Bundesliga aufgestiegen und wurde komplett aus Eigengewächsen gebildet. Nele will auch nach der AG, die ein Schuljahr lang läuft, „am Golfball bleiben“. Die Grundschülerin, die das Weitschlagen an der „Driving Range“ liebt, kann vom Golfen nicht genug kriegen. „Es ist einfach schön, mit anderen Kindern an der frischen Luft Sport zu treiben“, schwärmt sie. Bis zur Winterpause hat sie noch genügend Zeit, dies zu genießen.

Text: Axel Preiss / Online-Version: Jamie Myrczek(10Ra), Sandra Ziegler(10Ra) und Merle Möller(10Rb)

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