Schule auf der Aue > Chronik > Schuljahr 2017/2018 > Ein bunter Abend mit den polnischen Gästen

Tanzen auf dem Schulhof

Auf die Frage, was ihr in Deutschland am besten gefallen habe, weiß Patricia (14) sofort eine Antwort: „Die Menschen!“ Die Schülerin aus Warschau, die vor knapp zwei Wochen zum ersten Mal nach Deutschland reiste, schwärmt von der Freundlichkeit insbesondere der Münsterer: „Wir wurden sehr nett aufgenommen“, blickt sie zurück. Patricia war gemeinsam mit 26 weiteren Schülern und zwei Lehrern aus Warschau für zehn Tage an der Gersprenz zu Gast. Am Montag (30. April) feierten sie gemeinsam mit Münsterer Schülern und deren Eltern im Foyer und auf dem Hof der „Schule auf der Aue“ in den Mai. Mittwochs (2. Mai) flogen sie wieder zurück in Polens Hauptstadt.

Zeichen der Völkerverständigung

Sabine Behling, Direktorin der Aueschule, die den Austausch seit 2002 im Programm hat, dankte insbesondere den Eltern der Aueschüler: „Ohne sie als Gastgeber wäre das nicht möglich.“ Insbesondere in den aktuell „politisch unruhigen Zeiten“ sei der Polen-Austausch ein wichtiges „Zeichen der Völkerverständigung“. Diese pflegte Sylwia Jakieła, sympathische Deutschlehrerin aus Warschau, nun bereits zum 15. Mal, so oft war sie schon zu Gast in Münster. Zum ersten Mal wurde sie nun von Spanisch-, Französisch- und Geographielehrer Kamil Mankin begleitet, der sich sofort in Münster „verliebt“ habe. Er käme gerne nächstes Jahr wieder und will fleißig Deutsch lernen, damit er sich dann besser verständigen kann. Diesmal lief die Kommunikation auf Englisch.

Erfahrungen mit einer Bratwurst

Der 15-jährige Rafał lernt zwar seit eineinhalb Jahren Deutsch in der Schule, doch mit dem Sprechen laufe es noch nicht so gut. Sein Gastgeber Marlon (15) findet das jedoch nicht schlimm: So verbessere sich automatisch sein Englisch. Kamil (15) ist da etwas mutiger, er lernt Deutsch jedoch auch schon seit drei Jahren: „Ich bin das zweite Mal in Deutschland. Große Unterschiede zwischen Polen und Deutschen kann ich nicht erkennen“, erzählt er. Lediglich die Bratwurst, die er mit seinem Gastgeber Fabian (15) gegessen habe, habe er noch nicht gekannt. „Ansonsten ist Münster ähnlich groß wie mein Wohnort: Ich lebe am Stadtrand von Warschau“, sagt er. Patricia (14), die vorübergehend Ninas Familie vergrößerte, gefiel es besonders gut in Frankfurt: Dort waren die Mädchen shoppen, zudem besuchte die Schülergruppe die Paulskirche und das Goethehaus. Gabi (15) spricht schon recht passabel Deutsch: Ihr gefiel es besonders im Münsterer Freizeitzentrum, wo alle gemeinsam feierten. „Heidelberg ist wunderschön“, schwärmt sie, und bei ihrer Gastgeberin Marie (15) habe sie sich „sehr wohl“ gefühlt.

Showtanz zu Phil Collins

Montags, gleich am ersten „Austausch-Tag“, studierten alle Schüler mit Musiklehrerin Johanna Kintopf in der Gersprenzhalle einen Showtanz ein: Zu Phil Collins‘ „You Can’t Hurry Love“ führten sie nun beim Fest vor dem Portal der Aueschule eine erstaunlich gut funktionierende Choreographie auf. „Wir haben nur zwei Schulstunden geübt, und dafür klappt das super!“, schwärmt Frau Kintopf, die übrigens polnische Wurzeln und Verwandtschaft in Warschau hat. Ihre polnische Kollegin Jakieła ließ sich wenig später auch von ihren High-Heels nicht aufhalten und initiierte einen Paartanz zwischen polnischen und deutschen Jugendlichen: So tanzten alle auf dem Schulhof gemeinsam in den Mai. Vorher hatte bereits die Aue-Schülerband unter der Leitung von Peter Lehmler die Stimmung angeheizt. Der AC/DC-Klassiker „Highway To Hell“ musste zweimal „gerockt“ werden: Das Publikum forderte lautstark eine Zugabe.

Vielfältige Ausflüge bei Frühsommerwetter

Auf dem zehntägigen Austauschprogramm standen für die polnischen Schüler neben Ausflügen nach Frankfurt und Heidelberg auch Besuche von Darmstadt und Wiesbaden sowie eine Rheinfahrt – und dies bei bestem Frühsommerwetter. Begleitet wurden sie dabei häufig von den Auelehrern Doris Becht und Philipp Schumann, die das Austauschprogramm maßgeblich organisierten und bereits seit sechs Jahren mit den Aueschülern im Herbst gen Osten reisen. „Wir verbringen zunächst einige Tage in Warschau, bevor wir Städte wie Krakau und Danzig erkunden“, erzählt Schumann. In diesem Herbst stehe die Region Danzig auf dem Programm. „Polen blickt auf eine bewegte, spannende Geschichte zurück, was für mich als Geschichtslehrer besonders reizvoll ist“, erzählt er. Neben der Völkerverständigung sei es ihm stets wichtig, die Schüler über die schrecklichen Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuklären, und dafür biete Polen mit den Konzentrations- und Vernichtungslagern Orte, die man als Schüler „nie vergisst“.

Text und Bilder: Axel Preiss

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