Schule auf der Aue > Chronik > Schuljahr 2015/2016 > Auf der Bühne gefeiert, von den Nazis ermordet

Magda Spiegel als Thema im Musikunterricht

Seit einigen Wochen beschäftigen sich einige Aueschülerinnen und -schüler der Klassen 8Ga, 9Ga und 9Rc im Rahmen des Musikunterrichts mit der Altistin Magda Spiegel (1877-1944). Die deutsche Konzert- und Opernsängerin, ursprünglich jüdischen Glaubens, 1904 zum evangelischen Glauben konvertiert, feierte ab 1917 unvergessliche Erfolge an der Frankfurter Oper. Von den Nazis ab Ende 1934 mit einem Berufsverbot belegt, wurde die selbstbewusste Künstlerin vermutlich im Spätherbst 1944 in Auschwitz ermordet. Claudia Becker, die eine Biographie über Madga Spiegel verfasst hat, war nun an der Aueschule zu Besuch und stellte sich den Interviewfragen der Schülerinnen und Schüler.Diese hatten sich akribisch auf den Besuch der Autorin vorbereitet.

Schwierige Biografieforschung

Im Rahmen des Projekts, das von Musiklehrerin Cornelia Krones ins Leben gerufen wurde, schrieben sie zunächst Geschichten, in denen Magda Spiegel die Hauptrolle spielte. Die Informationen zu deren Leben entnahmen sie zuvor der Magda-Spiegel-Biografie von Claudia Becker. Die Autorin erzählte den Schülern zunächst, wie sie dazu kam, ein Buch über die Operndiva zu schreiben: Die Inspiration dazu kam von ihrem Professor. Schließlich sind 600 Exemplare der Biographie erschienen. Schon in ihrer Kindheit habe sie sich für das dunkle Kapitel der NS-Zeit interessiert, ihre Großeltern dazu befragt und Geschichten gelauscht, erzählte Claudia Becker. Der Beginn der Recherchen sei von Schwierigkeiten geprägt gewesen, da es leider kaum Bücher über berühmte, jüdische Künstler gegeben habe. Also reiste die Biographin viel und suchte unter anderem in den Archiven von Frankfurt, Berlin, Wiesbaden, Stuttgart, Paris, Jerusalem, Auschwitz und Theresienstadt nach Informationen über den Opernstar Magda Spiegel. Außerdem recherchierte sie drei Monate in der tschechischen Hautstadt Prag. Die Bilder, die das Buch illustrieren, fand sie im Frankfurter „Institut für Stadtgeschichte“.

Eine Menge Information

Insgesamt trug Claudia Becker zweieinhalb Jahre lang Informationen zusammen, am Buch selbst schrieb sie ein halbes Jahr lang. Dadurch, dass es keine Nachfahren und auch keinen Nachlass von Magda Spiegel gebe, erfahre man nur sehr wenig über deren Privatleben. Jedoch erhielt die Biographin einige Fotos von den Nachkommen von Spiegels Haushälterin, die sie den interessierten Aueschülern auch zeigte. Außerdem spielte sie zwei Ausschnitte verschiedener Opern vor, die Magda Spiegel gesungen hatte. Dabei erkannten die jungen Zuhörer die große Bandbreite ihrer Stimme, was die Jugendlichen sehr beeindruckte.

"Jahrhundert-Blume"

Magda Spiegel hatte aber nicht nur Fans. Wegen ihrer Herkunft sei sie sehr oft Anfeindungen ausgesetzt gewesen und wurde zum Beispiel nicht an der Oper in Bayreuth engagiert, obwohl der Leiter dieser Oper sie selbst als „Jahrhundert-Blume“ bezeichnete. Am 1. September 1942 wurde Madga Spiegel nach Theresienstadt deportiert. Dort sang sie bei einem Opernabend eine letzte Arie, bevor sie am 19. November 1944 nach Auschwitz verschleppt wurde.

Text: Axel Preiss/Online-Version: Montu Sollner, Amelie Höfele (10Rb)

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